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eine bitte vorweg

Lieber Leser des Jahres 2009,

wenn du in diesen Tagebuchschnipseln des Jahres 3333 blätterst, sei gnädig mit mir. Ich wollte dich belehren, weil so viel Geschichte zwischen uns liegt, die du nicht mehr erleben wirst, bei mir aber in virtuellen Bibliotheken haarklein erklärt ist. Ich hätte dich gern besucht. Vielleicht kommen meine Gedanken trotzdem bei dir an...

Donnerstag, 23. juli 2009 4 23 /07 /2009 09:01

Ein heller Schleier, Stille, dann eine Kontur, die immer stärker wird. "Schön, dass Sie erwacht

sind!", ruft eine Stimme. Es blitzt. Ich schrecke auf. "Haben Sie keine Angst. Das machen wir um

ihre Sehfähigkeit zu reanimieren." Die Kontur mutiert zu einer Frau. "Guten Tag! Ich hoffe, Sie

hatten angenehme Träume." Sie lächelt mich breit an. Ich bin verwirrt . "Wo bin ich?" "Oh! Dazu

kommen wir noch. Sicher wollen Sie sich noch ein wenig ausruhen." Ich blicke mich um. Ein

kahler Raum und dennoch gefällt er mir irgendwie. "Was für ein gemütlicher Raum!", rufe ich,

selber darüber überrascht. "Freut mich, dass er ihnen gefällt. Es hätte mich auch etwas gewundert,"

schmunzelt sie, "wenn er ihnen nicht gefallen hätte." Ich blicke fragend in ihr hübsches, nahezu

perfektes Gesicht. "Nun ja." entgegnet sie etwas nachdenklich. "Wir haben den Raum nach ihrem

ästhetischen Muster erzeugt. Neurofeedback heißt das Verfahren und ist momentan 'der letzte

Schrei' – wie sie sagen würden.", lacht sie etwas verlegen. "Dabei induzieren wir neuronale Muster

und speichern während dessen die Reaktionen des Menschen. Aus diesen Daten errechnen wir dann

eine optimale Struktur, die diesem Menschen exakt entspricht. Dieses individuelle Muster ist somit

genau das, was er am angenehmsten empfindet. Durch mehrere Transformationen können wir

schließlich dieses Muster so gut wie auf alle ästhetische Bereiche anwenden. In ihrem Falle haben

wir ihr Muster auf die Rauminnenausstattung transformiert, allerdings geht das Neurofeedback noch

viel weiter. Gerade bei der Partnersuche ist es momentan sehr modern, einfach sein individuell

generiertes Lieblingslied in seinem Netzprofil abzubilden. Aufgrund der ästhetischen

Übereinstimmung findet man damit in kürzester Zeit sein emotionales Äquivalent." Ungläubig

entgegne ich "Und sie meinen, dieses 'emotionale Äquivalent' ist dann der Partner für die

Ewigkeit?" "Nun ja, zweifellos. Ewigkeit ist zwar in diesem Zusammenhang kein korrekter Begriff,

aber zumindest für die verbleibende Lebensspanne verzeichnen wir seit Verwendung dieser

Methode eine Trennungsrate von unter einem Prozent.", erläutert sie glücklich. "Das ist ja

unglaubblich!", schließe ich. Nach einiger Zeit voll Sprachlosigkeit frage ich verschmitzt "Sagen

Sie, wie gefällt ihnen eigentlich mein Zimmer?" Sie schaut sich etwas um und entgegnet kühl "Die

Muster wirken sehr interessant, allerdings muss ich gestehen, dass sich in der Zeit ihrer

Abwesenheit im Bereich der Ästhetik so einiges getan hat und nunja..." nun lächelt sie ebenfalls

verschmitzt "...als ich neulich den Aufenthaltsbereich für meinen Hund angepasst habe, kam ein

ganz ähnliches Muster bei raus!" :-)

von Slov ant Gali - veröffentlicht in: Liebe, Sex & Partnerschaften - Community: Literatur und Utopien
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Freitag, 17. juli 2009 5 17 /07 /2009 15:26

Lieber freund aus ferner zeit mit dem namen, den auch ich trage!

Wenn du mich aus dem angebot der kontaktkandidaten auswählst, dann hat das wahrscheinlich einen sehr einfachen grund: eben unseren gemeinsamen namen.

Wenn ich dich angeschrieben habe, dann steckt da sowohl berufliches als auch privates interesse dahinter. Ich bin archäologe. Die chance, einen unmittelbaren kontakt zu einem frühmenschen zu bekommen, gibt es wohl nur einmal in tausend jahren. Andererseits wirst du den rest deines lebens – und das könnten ja noch mehr als hundert jahre sein – in dieser welt zubringen, und da wäre es gut, wenn du sie bald verstehst. Ich hoffe, dass du dir da besonders gern von einem wie mir helfen lässt. Wenigstens aus einschlägiger literatur und ausgewählten einzelquellen habe ich ein gewisses (wenn auch trotzdem extrem verschwommenes) bild über die verhältnisse deiner zeit, um missverständnisse deinerseits leichter zu erahnen. Wir wollen aus dir ja keinen unfreiwilligen helden in einem witzfilmchen machen.

Lass mir ein erstes beispiel geben: Ich weiß, dass du deinen namen von deinen eltern hast, dass er aus einem dadurch feststehenden familiennamen und einem eben durch deine eltern bei deiner geburt dir zugeteilten vornamen (oder wie in deinem fall zwei vornamen) besteht.

Das ist bei uns anders. Zum einen hat jeder mensch seinen geheimen Zifferncode. Der interessiert eigentlich nur die Identifikationskontrolle im Netz. Einen namen, um seine einmaligkeit im umgang mit anderen menschen zu zeigen, gibt man sich dagegen selbst. Das heißt, wenn man geboren wird, bekommt man schon von der mutter in abstimmung mit denen, für die das noch wichtig ist, einen rufnamen.

Später entscheidet man selbst, wie man genannt werden möchte. Mein name ist also ergebnis meines interesses. Weil ich mich für frühere zeiten interessiere, war es für mich nahe liegend, dass ich mir auch einen namen aus diesen zeiten zugelegt habe. Ansonsten ist die namenswahlfreiheit nur beschränkt durch verwechslungsmöglichkeiten. Es kann ja sein, dass durch dein auftauchen in unserer welt plötzlich die zeit vor der gemeinschaftlichkeit mit ihren namen mode wird, und plötzlich möchten hunderte William heißen. Oder gar William Peter Burrows. Da muss man sich beim registrieren schon zusätze einfallen lassen.

Die frau, an der ich ein besonderes interesse habe, hat ihre bestätigung für den namen Jade wegen ihrer erklärung genehmigt bekommen, ihn in der altdeutschen form der buchstabenfolge auszusprechen.

Aber ich will dich nicht langweilen. Ich dachte nur, dass du vielleicht beziehungen zur kultur der anderen besatzungsmitglieder deines schiffes haben könntest – und die sind ja unseres wissens chinesischer hekunft, haben also ein besonders verhältnis zu den jadesteinen...

es grüßt ganz herzlich

der William dieser gegenwart

von Slov ant Gali - Community: Literatur und Utopien
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Montag, 6. juli 2009 1 06 /07 /2009 10:40

 

Schaden wird dabei sehr weit gefasst.

Natürlich ist ein sehr wichtiger handlungsantrieb bei uns der ehrgeiz. Nun sind die besten dm-korten in den moderatoren- und bewerterkollektiven vertreten. Sie legen also fest, wie viel punkte das lösen bestimmter öffentlich ausgeschriebener probleme erbringt. Da sind dann schon einige ganz schlaue auf die idee gekommen, sich über einen hacker in eine dm-meister-korte einzuschleusen, um ihr eigenes projekt hochzupunkten.

Früher hätten sie gegen so etwas gesetze und polizei gehabt. In erster linie machen das heute die korten unter sich aus. Die dm-korten haben eine zusätzliche hierarchie. Es gibt noch einen dm-verband, in dem alle sauberen korten mitglied sind. Sprich: wer bei mauscheleien erwischt wird, wird einfach ausgeschlossen. Das ist die höchste strafe.

Trotzdem gibt es in dem bereich natürlich auch immer wieder witzbolde.

Weißt du noch? Wie der virtuelle weltrat zusammentrat und beschloss, eine crew 16jähriger mädchen zu einem erkundungsflug außerhalb unserer galaxis loszuschicken? Innerhalb eines tages waren etwa 56000 bewerberinnenprofile auf der weltrathauptadresse eingegangen. Erst als datengroßmeister igorow 77 bestätigte, dass es sich um ein gefaktes protokoll handelte, brach der bewerberinnenstrom ab. Die ersten „offiziellen verlautbarungen“ des rates und der versuch, vorübergehend den zugang zu sperren, wurden als psychologische testsituationen ausgelegt und beförderten erst recht die fantasie der interessierten.

Um „igorow 77“ haben sich nachher ja fast alle dm-korten gerissen. Die vorübergehende wirrnisse wurden ihm nicht als schaden ausgelegt, da die beteiligten mädchen verbesserte entwicklungschancen bekamen. Die vom ersten tag wegen ihrer erwiesenen reaktionsgeschwindigkeit und die nachfolgenden, soweit sie die sperren zu umgehen vermocht hatten wegen erwiesener problemlösungskompetenz. Dabei kam es kaum darauf an, ob sie das allein geschafft hatten. Wenn sie so schnell ein funktionierendes kollektiv aufgebaut hatten, dann war dies ja auch ein kompetenzbeweis. Und jeka ist ja dann sieben jahre später tatsächlich mit dabei gewesen.

Die dm-korten... nein, eigentlich sind sie nur deshalb etwas besonderes, weil sie nicht nur besondere fähigkeiten auf ihrem spezialgebiet haben müssen, sondern eben auch mehr macht in der gemeinschaft besitzen können. Abe letztlich ist das, was sie treiben genauso wie bei fast allen anderen korten auch ein gemisch aus dem gefühl,zu einer tollen truppe zu gehören, dem vergnügen an der lösung eine aufgabe, die eben nicht jeder so lösen kann, also nützlich zu sein, und sport oder kunst zu treiben.

von Slov ant Gali - veröffentlicht in: Alltag - Community: Literatur und Utopien
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Montag, 6. juli 2009 1 06 /07 /2009 10:39
 

 

 

Unsere frühmenschlichen ahnen hatten mitunter richtig putzige probleme. Besonders komisch finde ich zum beispiel alles, was mit datenschutz zu tun hatte. Inzwischen verstehe ich es wenigstens teilweise: weil jede info damals missbrauchbar war und zwar mit einem bestimmten nutzen für den missbraucher, war natürlich jeder bestrebt, dass man sowenig wie möglich öffentlich über ihn wusste. Wenn er einmal verraten hatte, hier ist einer, der sich für sex interessiert, da war logisch, dass alle, die mit sex geld verdienen wollten, seine adresse mit angeboten verstopften. Bei allem anderen natürlich auch.

Heute ist nur grober unfug, der versuch, einem persönlichen feind zu schaden, und die datenmeister-korte geblieben als sorge, dass mit persönlichen daten schindluder getrieben wird.

Auch die schaffung der virenprogramme ist auf diese drei gruppen beschränkt. Die überlegung, mit dem aufdecken von sicherheitslücken geld zu verdienen, ist passe. Außerdem gibt es kaum wirtschaftsdaten, die nicht allgemein jedem interessierten zugängig wären. Warum denn auch nicht. Ein schaden kann aus dem wissen nicht entstehen, nur gelegentlich ein nutzen, weil jemand aus spaß eine optimalere lösung entwickelt.

Ein besonderes problem sind natürlich die datenmeister-korten. Mir sind allerdings keine schwarzen, sondern nur weiße bekannt. Die haben zur selbstbeschränkung ihrer möglichen macht ganz strenge regeln. Wer dabei erwischt wird, dass er anderen schadet, wird nicht nur sofort aus der korte ausgeschlossen, sondern virtuell getötet. Alle seine spuren im netz werden gelöscht. Meist werden die konkreten menschen auch mit einem bann-chip versehen, der ihnen das einloggen ins große netz unmöglich macht.

Wer zu den datenmeister-korten gehört, ist das best gehütete geheimnis. Alle sind spezialisten. Alle haben mehrere prüfungen durchlaufen, ob sie über besondere fähigkeiten im umgang mit dem netz verfügen. Ob das einzelne mitglied aber wirklich ein mensch oder ein wie auch immer zusammengesetztes team ist – danach zu fragen ist nur erlaubt, wenn ein schaden eingetreten ist.


von Slov ant Gali - veröffentlicht in: Alltag - Community: Literatur und Utopien
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Sonntag, 5. juli 2009 7 05 /07 /2009 18:17

 

Und nun, ohne geld, hätte sich jeder das tollste aller autos vor die wohnung stellen können. Aber wäre das peinlich gewesen. Man hätte einen solchen nachbarn ausgelacht. Und ausgeschimpft auch, weil er sinnlos störend platz verbrauchte – und er konnte ja nicht mehr auftrumpfen mit solchem besitz. Also wurde das fahren von autos immer mehr zu einer sache eben von freaks. Die bodenpilotenkorten schossen wie pilze aus verstrahltem boden. Interessant ist das ja: du sitzt als einer von denen an deinem compi, machst, was du gerade vorhast... plötzlich öffnet sich ein fenster „bin gerade dortunddort, möchte dortunddort hin.“ du gibst ein, „mach ich!“ und chauffierst die verschiedensten leute zu absurdesten plätzen, für die einfache öffentliche lösungen kompliziert sind.

Fast schade, dass viele korten mittlerweile eingeschlafen sind, weil die servos das meiste übernommen haben. Der reiz, immer wieder neue leute kennen zu lernen, ist unübertroffen.

Lach nicht: ich hab das nach dem praktikum gemacht. Hat auch funktioniert. Irgendwann kannte ich alle leute, die mir heute nützlich sind. Die welt ist ein unbeschreibliches netzwerk. Jeder, der sich immer ganz einbringt, kann nachher damit rechnen, dass andere für ihn da sind, wenn er sie braucht.

Außerdem wird jede beschäftigung, wenn man sie allzu lange betreibt, langweilige routine. Und wenn man die mag, ist man entweder wirklich selbst langweilig oder man bekommt von seinem körper damit signalisiert, dass man alt geworden ist. Das muss es ja auch geben. Man kann ja nicht ewig raumflottenkandidat bleiben.

Du meinst, noch hätte keiner der frühmenschen die itos verstanden?

Also noch einmal: klammern wir einfach mal aus, dass man sein problem nicht über servos lösen kann. Man versucht also sein problem zu formulieren und ins netz zu stellen. Sagen wir einmal, man will in diesem jahr seine südseeinsel nicht im simo-park durchspielen, sondern einmal in echt sehen und man hat die punkte dafür gesammelt. Nun hat man fünf kinder zu betreuen, will sie mitnehmen, aber nicht immer allein die verantwortung für sie tragen. Ein ito kümmert sich um alles, was man braucht von der vorbereitung über das verlassen der wohnung bis zur rückkehr.

Übrigens sind viele junge, erlebnishungrige leute unter den itos. Jetzt, wo fast alle ihre aufgaben von servos gelöst werden können, müssen sie sich einiges einfallen lassen, um erfolgreich zu sein.und meist sammeln sie kontakte wie früher die leute angeblich postwertzeichen gesammelt haben.

 

von Slov ant Gali - veröffentlicht in: Alltag - Community: Literatur und Utopien
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