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Donnerstag, 23. juli 2009 4 23 /07 /2009 09:01

Ein heller Schleier, Stille, dann eine Kontur, die immer stärker wird. "Schön, dass Sie erwacht

sind!", ruft eine Stimme. Es blitzt. Ich schrecke auf. "Haben Sie keine Angst. Das machen wir um

ihre Sehfähigkeit zu reanimieren." Die Kontur mutiert zu einer Frau. "Guten Tag! Ich hoffe, Sie

hatten angenehme Träume." Sie lächelt mich breit an. Ich bin verwirrt . "Wo bin ich?" "Oh! Dazu

kommen wir noch. Sicher wollen Sie sich noch ein wenig ausruhen." Ich blicke mich um. Ein

kahler Raum und dennoch gefällt er mir irgendwie. "Was für ein gemütlicher Raum!", rufe ich,

selber darüber überrascht. "Freut mich, dass er ihnen gefällt. Es hätte mich auch etwas gewundert,"

schmunzelt sie, "wenn er ihnen nicht gefallen hätte." Ich blicke fragend in ihr hübsches, nahezu

perfektes Gesicht. "Nun ja." entgegnet sie etwas nachdenklich. "Wir haben den Raum nach ihrem

ästhetischen Muster erzeugt. Neurofeedback heißt das Verfahren und ist momentan 'der letzte

Schrei' – wie sie sagen würden.", lacht sie etwas verlegen. "Dabei induzieren wir neuronale Muster

und speichern während dessen die Reaktionen des Menschen. Aus diesen Daten errechnen wir dann

eine optimale Struktur, die diesem Menschen exakt entspricht. Dieses individuelle Muster ist somit

genau das, was er am angenehmsten empfindet. Durch mehrere Transformationen können wir

schließlich dieses Muster so gut wie auf alle ästhetische Bereiche anwenden. In ihrem Falle haben

wir ihr Muster auf die Rauminnenausstattung transformiert, allerdings geht das Neurofeedback noch

viel weiter. Gerade bei der Partnersuche ist es momentan sehr modern, einfach sein individuell

generiertes Lieblingslied in seinem Netzprofil abzubilden. Aufgrund der ästhetischen

Übereinstimmung findet man damit in kürzester Zeit sein emotionales Äquivalent." Ungläubig

entgegne ich "Und sie meinen, dieses 'emotionale Äquivalent' ist dann der Partner für die

Ewigkeit?" "Nun ja, zweifellos. Ewigkeit ist zwar in diesem Zusammenhang kein korrekter Begriff,

aber zumindest für die verbleibende Lebensspanne verzeichnen wir seit Verwendung dieser

Methode eine Trennungsrate von unter einem Prozent.", erläutert sie glücklich. "Das ist ja

unglaubblich!", schließe ich. Nach einiger Zeit voll Sprachlosigkeit frage ich verschmitzt "Sagen

Sie, wie gefällt ihnen eigentlich mein Zimmer?" Sie schaut sich etwas um und entgegnet kühl "Die

Muster wirken sehr interessant, allerdings muss ich gestehen, dass sich in der Zeit ihrer

Abwesenheit im Bereich der Ästhetik so einiges getan hat und nunja..." nun lächelt sie ebenfalls

verschmitzt "...als ich neulich den Aufenthaltsbereich für meinen Hund angepasst habe, kam ein

ganz ähnliches Muster bei raus!" :-)

von Slov ant Gali - veröffentlicht in: Liebe, Sex & Partnerschaften - Community: Literatur und Utopien
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